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Andhaka

Parvati hielt eines Tages zum Spaß Shiva von hinten die Augen zu. Das Universum versank in Dunkelheit. Parvati geriet ins Schwitzen vor Angst, aus ihren Schweißperlen entstand ein Dämon, er war schwarz und blind, Andhaka.

Dies geschah zu Zeiten, als die Dämonen Brüder Hiranyaksha und Hiranyakashipu die Welten plagten. Hiranyakashipu hatte einen Sohn, Prahlad, Hiranyaksha war noch kinderlos.

Er meditierte auf Shiva, der ihm erschien und ihm eine Gunst gewährte. Er bat um einen Sohn.

Shiva sprach: ‚Dein Schicksal sieht keinen Sohn vor. Ich schenkte dir meinen Sohn Andhaka. Er ist zwar blind, doch besitzt er enorme Stärke. Nimm ihn mit.‘

Hiranyaksha nahm Andhaka bei der Hand, zu Hause übergab er ihn seiner Frau. Sie liebte ihn über alles.

Es trug sich zu, dass Hiranyaksha von Vishnu in dessen Eber (Varaha) Inkarnation getötet wurde. Andhaka und seine Mutter kamen bei Hiranyakashipu unter.

Doch erlitt Hiranyakashipu dasselbe Schicksal, er wurde von Vishnu in dessen Mannlöwe (Narasimha) Inkarnation getötet. Narasimha bat Prahlad, den Vater zu ersetzen. (Die Mythen zu den Inkarnationen Vishnus finden Sie auf meiner Mythenseite ‚Die Avatare Vishnus‘.)

Für Andhaka begann eine schwere Zeit, er wurde von allen gehänselt wegen seiner Blindheit.

In seinem Schmerz vollzog er ein Feueropfer, bei dem er sein eigenes Fleisch darbrachte. Nichts geschah. Als er ins Feuer springen und sich selbst opfern wollte erschien Brahma und fragte nach seinem Anliegen. Andhaka bat um Augenlicht, Sieg über Indra und Unsterblichkeit.

Brahma erklärte ihm, dass er Unsterblichkeit grundsätzlich nicht gewähre und er sich eine andere Gunst erbeten möge. Andhaka bat: ‚Wenn ich meine Mutter begehre, dann möchte ich sterben.‘ Brahma gewährte die Gunst und entschwand.

Andhaka kehrte nach Hause zurück und seine Welt war in Ordnung, niemand lachte ihn mehr aus.

Eines Tages kam Andhaka mit seinen Dienern am Berg Mandara vorbei, wo Shiva und Parvati in einer Höhle lebten.

Die Diener entdecken Parvati und fanden, sie sei die ideale Frau für ihren Herrn. Sie schwärmten ihm von Parvati vor und Andhaka bat, sie zu ihm zu bringen.

Shiva wusste von der Gunst, die Brahma Andhaka gewährte hatte. Sein Tod war nahe. Er hatte noch nie seine Eltern gesehen. Shiva schickte die Diener zurück mit der Bitte Andhaka auszurichten, die Frau die er begehre sei seine Mutter.

Die Diener missinterpretierten allerdings die Aussage und teilten Andhaka mit, dass der Kerl seine Frau nicht hergeben wolle und ihn zum Kampf herausfordere. Andhaka nahm die Herausforderung an.

Shiva war zu jener Zeit in eine tausend Jahre andauernde Askese versunken und wollte nicht gestört werden. Er bat Viraka sich der Angelegenheit anzunehmen.

Viraka kämpfte fünfhundert Jahre gegen Andhaka.

Als Shiva seine Askese beendet hatte erschien Er auf dem Schlachtfeld.

Er bat Viraka, Parvati in der Höhle zu bewachen, die anderen sollten weiter gegen Andhaka kämpfen.

Als Andhaka Shiva und Parvati in die Höhle gehen sah bat er einen seiner Soldaten, Vighnasha, ihnen nachzugehen und zu berichten was sie täten.

Vighnasha sah sie fröhlich miteinander plaudern. Er forderte Shiva heraus und es kam zum Kampf.

Die Dämonen baten ihren Lehrer, Shukra, den Dämonen zu helfen und sie wieder zum Leben zu erwecken.

Nun war Shukra in einem Dilemma. Das Wissen über die Wiederbelebung Toter, Mrityusanjivani, hatte er von Shiva erhalten. Wie konnte er es nun gegen Shiva einsetzen? Doch seine moralische Pflicht war es, den Dämonen zu helfen. (Über Mrityusanjivani lesen Sie auf meiner Mythenseite unter ‚Götter und Dämonen.‘)

So fand der Kampf kein Ende. Andhaka rief Gila und bat ihn, Sonne, Mond, Indra, Vishnu und Viraka zu verschlingen. Gila verschlang alle außer Viraka.

Es war stockdunkel. Viraka sang zum Lobe Shivas. Wie konnte Gila Vishnu verschlingen?

Shiva erklärte es ihm: ‚Vishnu wollte, nachdem er als Narasimha Hiranyakashipu getötet hatte, im Blutrausch die Welt verschlingen. Die sieben Rishis (siehe ‚Die Veden‘) verfluchten Ihn daraufhin, in den Rachen eines Dämons zu fallen. Vishnu nahm aus Mitgefühl den Fluch an. Anders wäre es keinem Wesen möglich, Ihn zu verschlingen.‘

Nandi informierte Shiva, dass Shukra alle Dämonen wieder zum Leben erwecke und sie keine Möglichkeit hätten, jemals zum Sieg zu gelangen. Shiva bat Nandi, Shukra irgendwie vom Schlachtfeld zu locken und herzubringen.

Nandi gelang es, er brachte ihn und Shiva verschlang ihn. Shukra versuchte alles wieder herauszukommen, vergebens. In seiner Not begann er Shiva zu preisen und aus Erbarmen ließ Shiva ihn durch Sein Genital frei.

Nach fünftausend Jahren machte Shiva dem Kampf ein Ende, Er entließ eine Kraft aus Seinem Ohr, die dem Treiben ein Ende machte.

Shiva kämpfte gegen Andhaka allein. Er spießte ihn auf Seinen Dreizack und hielt ihn tausend Jahre lange in die Höhe.

Andhaka war verwundert, dass Shiva ihn nicht, wie all die anderen, getötet hatte.

Als Shiva ihn herunter ließ klärte Er ihn auf, dass Er sein Vater und Parvati seine Mutter sei, dann berührte Er ihn zum ersten Mal. Andhaka wurde ein strahlendes Wesen.

Er fiel seinen Eltern zu Füßen. Seither lebt er bei ihnen.

 

Aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung von Sushma Gupta.