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Chandogya Up.

Uddalaka und Shvetaketu

In diesem Dialog erfährt Shvetaketu von seinem Vater Uddalaka die Bedeutung des Maha Vakya – tat tvam asi, die Große Aussage – Das bist du.

Nach zwölf Jahren des Studiums der Schriften kehrte Shvetaketu zu seinem Vater zurück.

Uddalaka sprach: ‚Shvetaketu, hast du deinen Lehrer gefragt durch was wir hören was nicht zu hören ist, durch was wir wahrnehmen was nicht wahrzunehmen ist, durch was wir wissen was nicht zu wissen ist?‘

Shvetaketu erkannte, dass sein Wissen nicht vollkommen war und bat seinen Vater, ihn die letztendliche Wahrheit zu lehren.

Erstes Lehrgespräch

Der Vater sprach: ‚Mein Lieber, aus einem Klumpen Lehm können die verschiedensten Gefäße geformt werden, alle Unterschiede werden lediglich durch ein Wort, die Bezeichnung, definiert. Alles was die Gefäße ausmacht ist einzig und allein Lehm.‘

Zweites Lehrgespräch

Uddalaka: ‚Bringe mir eine Frucht des Banyan Baumes.‘
Shvetaketu: ‚Hier ist sie.‘
Uddalaka: ‚Mache sie auf.‘
Shvetaketu: ‚Sie ist offen.‘
Uddalaka: ‚Was siehst du?‘
Shvetaketu: ‚Winzig kleine Samen.‘
Uddalaka: ‚Brich einen auf.‘
Shvetaketu: ‚Er ist gebrochen.‘
Uddalaka: ‚Was siehst du?‘
Shvetaketu: ‚Nichts.‘
Uddalaka: ‚Aus diesem Nichts, mein Lieber, ist dieser große Banyan Baum entstanden. Die feinstoffliche Essenz ist Das, alles was besteht hat ein Selbst. Das (dieses Selbst) bist Du, oh Shvetaketu!‘

Shvetaketu: ‚Bitte erkläre mir noch mehr.‘
Uddalaka: ‚Schütte das Salz in das Wassergefäß und komme morgen früh wieder.‘
Shvetaketu schüttete Salz in das Wassergefäß.

An nächsten Tag sprach der Vater: ‚Bringe mir das Salz, das du gestern in das Wasser gegeben hast.‘

Shvetaketu konnte das Salz nicht finden, es hatte sich aufgelöst.

Uddalaka: ‚Koste es. Wie schmeckt das Wasser?‘
Shvetaketu: ‚Es schmeckt nach Salz.‘
Uddalaka: ‚Koste es von der anderen Seite. Wie schmeckt es?
Shvetaketu: ‚Es schmeckt nach Salz.‘
Uddalaka: ‚Schütte das Wasser weg und setzte dich zu mir.‘

Uddalaka erklärte: ‚Das Salz, obwohl du es nicht siehst, ist immer noch vorhanden. Ebenso siehst du das Selbst nicht und dennoch ist es in dir. Das (das Selbst) bist du, oh Shvetaketu.‘

 

Narada und Sanat Kumara

Narada bittet Sanat Kumara, ihn das höchste Wissen, das Wissen über Atman, das Selbst, zu lehren.

Narada sprach: ‚Ich habe die vier Veden studiert, Grammatik, Philologie, Mathematik, Astronomie, Astrologie, Logik, Biologie und weiß alles über die verschiedenen Götter. Nur über den Atman weiß ich nichts. Bitte lehre mich.

Sanat Kumara: ‚Du hast nur Worte gelernt.‘
Narada: ‚Was geht über Worte hinaus?‘
Sanat Kumara: ‚Sprache ist mächtiger als Worte, denn ohne Sprache ist man nicht in der Lage sich zu äußern.
Narada: ‚Was geht über Sprache hinaus?‘
Sanat Kumara: ‚Der Geist ist mächtiger als die Sprache. Über den Geist lernen wir.‘
Narada: ‚Was geht über Geist hinaus?‘
Sanat Kumara: ‚Der Wille ist mächtiger als der Geist. Über den Willen handeln wir.
Narada: ‚Was geht über den Willen hinaus?‘
Sanat Kumara: ‚Meditation ist mächtiger als der Wille. Durch Meditation erkennen wir das Unbegrenzte.

Das Unbegrenzte ist alldurchdringend, es ist das unsterbliche Selbst in all seiner Größe. Es ist nur Eines, doch kann es sich verdreifachen, verfünffachen, versiebenfachen, verneunfachen, verhundertelffachen, verzwanzigtausendfachen. Es ist oben, Es ist unten, Es ist vorn und hinten, Es ist im Norden, Es ist im Süden, Es ist überall.

Wer so erkennt, darüber nachdenkt und versteht, der ruht im Selbst, der genießt das Selbst, der ist vereint mit dem Selbst, der ist glücklich im Selbst. Nichts gibt es weiter zu erreichen. Wer so erkennt, der hat alles erkannt, kennt weder Leid noch Tod.

Oh Narada, damit bist du unsterblich geworden.‘

Sanat Kumara gewährte Narada eine Gunst, die Freiheit, zwischen Erde und Himmel hin- und herwandern zu können.

Narada dankte und ging zurück nach Hause. Sanat Kumara hatte ihn das höchste Wissen, Paravidya, gelehrt.

 

Der Atem

Die Sinnesorgane stritten sich, wer der Wichtigste sei.

Sie suchten Prajapati auf und baten ihn: ‚Sage uns, wer ist der Wichtigste von uns?‘

Prajapati sprach: ‚Der, ohne den euer Körper nicht leben kann, der ist der Wichtigste.‘

Als erstes verließ die Sprache den Körper. Als sie nach einem Jahr zurückkam fragte sie die anderen, wie sie ohne sie leben konnten.

Sie antworteten: ‚Wie ein Stummer.‘

Enttäuscht zog die Sprache wieder in den Körper ein. Offenbar war sie nicht die Wichtigste.

Da verließ das Auge den Körper. Als es nach einem Jahr zurückkam fragte es die anderen, wie sie ohne es leben konnten.

Sie antworteten: ‚Wie ein Blinder.‘

Enttäuscht zog das Auge wieder in den Körper ein. Offenbar war es nicht das Wichtigste.

Da verließ das Ohr den Körper. Als es nach einem Jahr zurückkam fragte es die anderen, wie sie ohne es leben konnten.

Sie antworteten: ‚Wie ein Tauber.‘

Enttäuscht zog das Ohr wieder in den Körper ein. Offenbar war es nicht das Wichtigste.

Da verließ der Geist den Körper. Als er nach einem Jahr zurückkam fragte er die anderen, wie sie ohne ihn leben konnten.

Sie antworteten: ‚Wie ein Kind.‘

Enttäuscht zog der Geist wieder in den Körper ein. Offenbar war er nicht das Wichtigste.

Da verließ der Atem den Körper und riss alle anderen mit sich. Sie baten ihn: ‚Geh‘ nicht. Du bist der Herr, wir können nicht existieren ohne dich.‘

 

 

Prajapati und Indra

Götter und Dämonen hörten einst Pajapati sprechen: ‚Der Atman, das Selbst, ist unberührt von Leid, Alter und Tod. Er kennt weder Hunger noch Durst. Wer den Atman erkennt, der hat alles erkannt.‘

Indra, der König der Götter, und Virochana, der König der Dämonen, machten sich auf zu Prajapati, um das Wissen über den Atman zu erlangen.

Prajapati bat sie, zweiunddreißig Jahre bei Ihm zu bleiben.

Nach zweiunddreißig Jahren sprach Prajapati: ‚Man muss den Atman mit festem Willen suchen, nur dann erreicht man ewigen Segen und Unsterblichkeit. Putzt euch heraus und beschaut euch im Spiegel des Wassers.‘

Indra und Virochana zogen ihre feinsten Gewänder an, schmückten sich mit Gold und Juwelen, und schauten in ein Wasserbecken.

Prajapati fragte: ‚Was seht ihr?‘

Sie sprachen: ‚Wunderschön sind wir anzusehen.‘

Prajapati sprach: ‚Das ist der Atman, das ist das Selbst, das ist das ewige unsterbliche Brahman.‘

Virocana war mit dieser Antwort zufrieden, froh ging er in sein Reich zurück und erklärte den Dämonen: ‚Seinen Körper muss man schmücken, dann hat man das Selbst erkannt.‘

Indra ging auch zurück, doch ihm kamen Zweifel. Ist das Selbst blind, wenn der Körper blind ist? Ist das Selbst lahm, wenn der Körper lahm ist? Vergeht das Selbst, wenn der Körper vergeht?

Er kehrte um und teilte Prajapati seine Zweifel mit.

Prajapati bat ihn, weitere zweiunddreißig Jahre bei ihm zu bleiben.

Nach zweiunddreißig Jahren sprach Prajapati: ‚Das was durch deine Träume wandert wie ein feiner Herr, das ist das Selbst. Das unsterbliche furchtlose Brahman.

Indra war zufrieden und machte Sich auf den Weg zurück. Unterwegs kamen ihm wieder Zweifel. Im Traum erfahren wir Leid, berührt das Leid im Traum das Selbst?

Er kehrte um und teilte Prajapati seine Zweifel mit.

Prajapati bat ihn, weitere zweiunddreißig Jahre bei ihm zu bleiben.

Nach zweiunddreißig Jahren sprach Prajapati: ‚Nun erfahre die höchste Wahrheit. Dieser Körper ist vergänglich. Er ist die sterbliche Hülle des unsterblichen Selbstes. Das Selbst genießt den Tiefschlaf.‘

Indra war zufrieden und machte Sich auf den Weg zurück. Unterwegs kamen ihm wieder Zweifel. Im Tiefschlaf kann ich kein Wissen erlangen.

Wieder ging er zu Prajapati zurück.

Prajapati sprach: ‚Oh Indra, dieser Körper ist sterblich. In ihm erfährt das Selbst Freude und Leid. Das Selbst ist unsterblich, verschieden vom Körper, verschieden vom Geist, verschieden von den Sinnen.

Das Auge ist nur das Mittel zum Sehen, das was sieht ist der Atman. Die Nase ist nur das Mittel zum Riechen, das was riecht ist der Atman. Das Ohr ist nur das Mittel zum Hören, das was hört ist der Atman. Der Atman, das Selbst ist der stille Zeuge.

Erfüllt verließ Indra Prajapati und kehrte zu den Göttern zurück.

 

Satyakama

Der Guru rief Satyakama zu sich und gab ihm 400 abgemagerte Kühe, er solle zurückkommen, wenn es 1000 Kühe geworden sind.

Satyakama ging in den Wald und erkannte Brahman in allem, im Gesang der Vögel, im Wechsel der Jahreszeiten, in Geburt und Tod. In Berührung, Sehen, Hören, Sprechen, Geschmack, Atem, im Wachen und im Traum.

Als die Herde auf 1000 angewachsen war, machte er sich auf den Weg zurück in den Ashram.

Als es Abend wurde rastete er, da sprach ein Bulle zu ihm: ‚Ich lehre dich über Brahman.‘

‚Sprich, Bulle.‘ Sagte Satyakama.

‚Der Osten ist ein Viertel der Welt. Der Norden ist ein Viertel der Welt. Ebenso der Westen und der Süden. Die vier Richtungen sind vier Teile Brahmans. Sie sind der erste Fuß Brahmans, Prakashavat, der Strahlende. Das Feuer wird dich weiter lehren.‘

Am Morgen zog Satyakama weiter. Als es Abend wurde rastete er und entzündete ein Feuer.

Das Feuer sprach: ‚Ich lehre dich über Brahman.‘

‚Sprich, Feuer.‘ Sagte Satyakama.

‚Die Erde ist ein Viertel von Brahman. Der Himmel ist ein Viertel von Brahman. Ebenso der Luftraum und der Ozean. Sie sind der zweite Fuß Brahmans, Anantavat, der Endlose. Der Schwan wird dich weiter lehren.‘

Am Morgen zog Satyakama weiter. Als es Abend wurde rastete er. Als er die Abendriten vollzogen hatte erschien ein Schwan.

Der Schwan sprach: ‚Ich lehre dich über Brahman.‘

‚Sprich, Schwan.‘ Sagte Satyakama.

‚Das Feuer ist ein Viertel von Brahman. Die Sonne ist ein Viertel von Brahman. Ebenso der Mond und die Sterne. Sie sind der dritte Fuß Brahmans, Jyotischvat, der Leuchtende. Der Tauchervogel wird dich weiter lehren.‘

Am Morgen zog Satyakama weiter. Als es Abend wurde rastete er. Nachdem er gegessen hatte erschien ein Tauchervogel.

Der Vogel sprach: ‚Ich lehre dich über Brahman.‘

‚Sprich, Vogel.‘ Sagte Satyakama.

‚Das Hören ist ein Viertel von Brahman. Das Sehen ist ein Viertel von Brahman. Ebenso der Atem und der Geist. Sie sind der vierte Fuß Brahmans, Ayatanavat, der Tragende.

Am Morgen machte sich Satyakamaa auf und erreichte den Ashram. An seinem Gesichtsausdruck erkannte der Guru, dass er Brahman erkannt hatte.

Der Guru sprach: ‚Satyakamaa, du strahlst als ob du Brahman erkannt hättest. Wer hat dich gelehrt?‘

Satyakamaa antwortete: ‚Bulle, Feuer, Schwan und Tauchervogel. Doch wünsche ich, dass du mich lehrst. Denn, so habe ich gehört, nur das Wissen, das man über den Guru erlangt führt zum höchsten Ziel.‘

Durch des Gurus Gnade wurde Satyakamaa mit dem Höchsten vereint. Der Guru brachte in ihm die letzte Saite zum Klingen, Satyakamaa hatte das vollkommene Wissen über Brahman erlangt.

 

Der Atman ist die verkörperte Seele, die sich nach der Vereinigung mit der kosmischen Seele, Brahman, sehnt.

Prajapati ist der Schöpfergott der Veden, heute Brahma

 

Aus dem Englischen mit freundlicher Genehmigung von Sushma Gupta