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Das Leben

Die vier Lebensstadien – Ashrama

Bis zum 24. Lebensjahr  Brahmacharya – Lernen
Brahmacharya ist die Zeit des Lernens, weltliches und spirituelles Wissen soll erworben werden. Von weltlichen Vergnügungen ist abzusehen. In alten Zeiten ging der Schüler zu einem Lehrer (Guru) in die Waldeinsamkeit, erbettelte sich sein Essen und diente dem Guru. Der Guru war sein spiritueller Vater.

Vom 25. – 48. Lebensjahr Grihastha – Haushälter
Der Abschnitt des Grihasthas beginnt mit der Heirat. Damit kommen die Erfüllung der gesellschaftlichen Pflichten und die Pflicht eine Familie zu gründen und diese zu versorgen. Rama und Sita sind das eheliche Ideal. Der Haushälter soll so viel Geld verdienen und so viel Wohlstand ansammeln, dass es der Familie an nichts mangelt. Es soll nicht in Gier und Anhäufung von Reichtum ausarten.

Vom 49. – 72. Lebensjahr Vanaprastha – Spirituelle Entwicklung
Wichtig für den Haushälter ist es zu spüren, dass die Söhne groß genug sind um die Verantwortung zu übernehmen. Dann zieht er sich zurück und tritt in den Abschnitt des Vanaprastha, Waldeinsiedler, ein. Er übergibt die Pflichten an die nächste Generation und widmet sich seinem spirituellen Wachstum und Weiterkommen. Seine Frau kann mit ihm gehen oder bei den Söhnen bleiben.

Ab dem 73. Lebensjahr Sanyasa – Streben nach Erlösung
Der Sanyasin entsagt dem Weltlichen. Er ist frei von jeder Bindung an Familie, Kaste, Riten. Er widmet sich einzig den heiligen Schriften und der Meditation, um dem Kreislauf der Wiedergeburt nach seinem Tode zu entkommen.

 

Die vier Lebensziele – Purushartha

Mit Purusha wird der Mensch in seiner Substanz bezeichnet.

Artha – Materielle Sicherung durch rechtschaffenes Handeln. Bezieht sich auf die Grundlagen des Lebens, der Wunsch nach Nahrung, Kleidung, Unterkunft, Sicherheit.

Kama – Befriedigung der Sinne
Ohne Kama, das Begehren, würden wir nicht gezeugt, ohne das Begehren würden wir nicht wieder geboren, denn durch das noch in der Seele verbliebene Begehren sucht diese sich einen neuen Körper. Das Erfüllen von Wünschen ist nichts Negatives so lange es nicht in Gier ausartet.

Dharma – Erfüllen sozialer Pflichten
Den Dharma habe ich unter ‚Indien‘ separat beschrieben.

Moksha – Erlösung aus dem Geburtenkreislauf
Die Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod ist das Ziel eines jeden Hindus. Wer nach langer spiritueller Praxis das Begehren überwunden hat baut kein neues Karma auf und ist befreit von diesen Fesseln, die uns zu immer neuer Wiedergeburt zwingen. Die Erkenntnis, dass die Materie vergänglich ist und das Eingehen der Seele in die letztendliche Wirklichkeit wird Moksha, Samadhi, Nirvana genannt, Befreiung aus dem Kreislauf von Geburt und Tod, die Erleuchtung.

Zusammengefasst:

Wohlstand (Artha) der durch Rechtschaffenheit (Dharma) erworben wird und Wünsche (Kama), die auf Erlösung (Moksha) ausgerichtet sind.

 

Übergangsriten – Samskara

Nach den Schriften sind dem Hindu 40 Übergangsriten vorgegeben. 16 davon sind die gängigen, diese habe ich hier aufgeführt. Eine genauere Beschreibung würde Seiten füllen, da alles abhängt von Geschlecht, Kaste, religiöser Ausrichtung, Familientradition und davon, welcher der Schriften die Familie folgt. Auch die Zeitangaben sind nur eine ungefähre Richtschnur.

Garbhadhana – Empfängnis
Nachdem die empfängnisbereiten Tage der Frau berechnet wurden wird nach der Befruchtung ein kleines Ritual ausgeführt bei dem der Mann Vedische Verse rezitiert.

Pumsavana – Ritus für einen Sohn
Das Ritual wird ab dem dritten Monat der Schwangerschaft durchgeführt.

Simantam – Teilung des Haares
Ein Ritual gegen böse Geister, zum Schutz von Mutter und Kind. Ab dem fünften Monat der Schwangerschaft wird das Haar der Mutter in drei Teile geteilt.

Jatakarma – Durchtrennen der Nabelschnur
Ein Ritual das vor dem Durchtrennen der Nabelschnur durchgeführt wird.

Namakaranam – Namensgebung
Am zehnten Tag nach der Geburt bekommt das Kind seinen Namen.

Nishkramana – der erste Ausflug
Im vierten Monat nach der Geburt darf das Kind das erste Mal nach draußen. Es sieht das erste Mal die Sonne.

Annaprasana – die erste feste Nahung
Im sechsten Monat bekommt das Kind die erste feste Nahrung.

Chudakarana – Tonsur
Im ersten oder dritten Jahr wird dem Kind das Haar geschoren, so soll ein langes Leben sichergestellt sein. Das Haar wird oftmals einer Gottheit dargebracht.

Karnavedha – Ohrstechen
Im dritten oder fünften Jahr wird dem Kind mit einen speziellen Dorn das Ohr durchstochen und ein Ohrring eingesetzt.

Vidyarambha – Schulbeginn
Am ersten Schultag hört das Kind das Alphabeth, das mit der heiligen Silbe Om beginnt.

Upanayana – Empfang der heiligen Schnur
Die Söhne der oberen Kasten erhalten die heilige Schnur zwischen dem achten und zehnten Lebensjahr.

Vedarambha – Beginn der Studienzeit
Das Student beginnt mit dem Studium der Veden.

Keshanta/Ritusuddhi – die erste Rasur, die erste Regel
Die erste Rasur des Jungen, die erste Regel des Mädchens.

Samavartana – Ende der Studienzeit
Das Kind kehrt nach der Studienzeit nach Hause zurück.

Vivaha – Hochzeit
Wie eine Hochzeit abläuft habe ich unter ‘Indien’ separat beschrieben.

Antyeshti – Tod und Verbrennung
Der Tote wird vor Sonnenuntergang verbrannt, möglichst am Tag des Todes. Todesriten werden nicht in einem Tempel vollzogen. Während der Trauer ist der Familie das Betreten eines Tempels für eine bestimmte Zeit untersagt. Danach wird eine Feuerzeremonie für die Seele des Toten vollzogen. Es gibt ein großes Essen und die Priester werden entlohnt. Nach einigen Wochen wird die Asche einem Fluss oder dem Meer übergeben.