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Ganga

Der Ganga Mythos

Dem Vamana (Zwerg) Avatar Vishnus hatte Bali, der König der Dämonen zugesagt, so viel Land von ihm zu erhalten, wie Er mit drei Schritten ausmessen konnte.

Vishnu wuchs in diesem Moment zum Riesen nahm die Erde mit dem ersten Schritt, den Himmel mit dem zweiten, die Unterwelt mit dem dritten.

Als Vishnus Fuß den Himmel berührte wusch Brahma diesen Fuß mit Wasser, das Wasser fing er in einem Gefäß auf. Aus dem Wasser entstand mit der Zeit eine schöne Frau – Ganga.

Ganga war ein fröhliches Kind, sie tanze und sang für die Götter und sie spielte gern anderen Streiche.

Eines Tages war der leicht reizbare Weise Durvasa zu Besuch, um ebenfalls Gangas Darbietungen zu genießen. Durvasa war, wie alle Weisen, einfachst gekleidet, gerade mal ein Stück Stoff verhüllte seinen Körper.

Als plötzlich ein Windstoß einsetzte stand Durvasa nackt vor den Göttern, die sofort Ihre Gesichter abwandten. Nur Ganga stand da, schaute ihn an und lachte laut los.

Durvasa verfluchte sie: ‚Du hast kein Recht, im Himmel zu leben. Du gehörst auf die Erde! Geh und fließe dort als Fluss!‘

Ganga war entsetzt. Sie fiel Durvasa zu Füßen: ‚Großer Weiser, ich habe mich falsch betragen, ich entschuldige mich, bitte vergib mir.‘

Durvasa jedoch antwortete: ‚Ich kann meine Worte nicht zurücknehmen. Doch da du bereust will ich dir eine Gunst erweisen. Du wirst auf Erden der reinste aller Flüsse sein. Ein Bad in dir wird alle Menschen läutern.‘

Durvasa verließ den Himmel und ließ eine traurige Ganga zurück.

Auf Erden, im Königreich Ayodhya, lebte König Sagara. Er hatte 60.000 Söhne. Lange hatte er gegen die Dämonen gekämpft, die sein Königreich heimgesucht hatten. Er konnte sie alle besiegen, sein Reich war wieder sicher.

König Sagara war ein guter König, sein Volk war wohlhabend und es liebte ihn. Er sah es nun als seine Pflicht, ein Pferdeopfer durchzuführen, um seine Macht zu festigen. (Ein Pferd wird dazu freigelassen, es streift durch das Land. Wenn das Pferd in ein benachbartes Königreich eintritt hat der betroffene König die Wahl, sein Reich zu verteidigen oder sich dem Königreich, aus dem das Pferd stammt, zu unterwerfen.)

Nach dem Pferdeopfer wäre König Sagara der uneingeschränkte Herrscher der Welt. Indra, der König der Götter, beobachtete die Ereignisse mit Sorge. Bald hätte Sagara mehr Mach als Er.

Indra machte Sich unsichtbar, stahl das Pferd und brachte es in den Himmel. Doch dann kamen Ihm Bedenken, König Sagara könnte auf den Gedanken kommen, das Pferd bei Ihm zu suchen, dann käme es zum Kampf … und wenn er gewinnt …? Also musste Er das Pferd wo anders verstecken. Er brachte es zum Ashram des Weisen Kapila. Kapila nun, war ebenfalls leicht erregbar.

König Sagara sandte seine 60.000 Söhne aus, sie fanden das Pferd bei Kapila. Als sie bei ihm ankamen war er in tiefer Meditation. Natürlich dachten die Söhne, dass er das Pferd gestohlen hatte.

‚Du willst ein Weiser sein?‘ fragte einer der Söhne ‚du hast das Opferpferd gestohlen!‘

Alle gemeinsam riefen: ‚Dieser Mann ist ein Dieb, ja, ein Dieb!‘

Kapila wurde in seiner Meditation durch den Lärm gestört, er öffnete seine Augen in dem Moment, als das Wort ‚Dieb‘ erschallte.

Kapila, mit außergewöhnlichen Kräften ausgestattet, verbrannte die Söhne Sagaras, alle 60.000 zu Asche.

Wenn die Sterberiten nicht nach den Regeln ausgeführt werden, so glaubt man, finden die Seelen keine Ruhe und irren als Geister auf Erden umher. So geschah es nun mit Sagaras Söhnen.

Anshuman, König Sagaras Enkel, eilte zu Kapila. Er fiel dem Weisen zu Füßen: Großer Weiser, habe Erbarmen mit meinen Onkeln, nie werden sie in den Himmel kommen, sie sind verdammt, als Geister zu enden, das haben sie nicht verdient.‘

Kapila bekam Mitleid: ‚Mein Sohn, im Himmel fließt der herrliche Fluss Ganga, Sie ist aus Vishnus Fuß geboren. Sobald sie auf die Erde kommt sind deine Onkel befreit und gehen in den Himmel ein.‘

Anshuman bedankte sich. Er wollte sich sogleich in Meditation begeben, um die Ganga zu bewegen, auf die Erde zu kommen.

Kapila gab ihm noch einen Hinweis: ‚Ganga ist die Tochter Brahmas, bete zu Ihm, damit Er Seine Tochter auf die Erde schickt.‘

Anshuman dankte für den Rat und meditierte auf Brahma.

Doch weder Anshuman noch seinem Sohn Dilip gelang es, Ganga vom Himmel auf die Erde zu bringen. Ihre Meditation war fruchtlos. Dilips Sohn Bhagirata wollte es nun versuchen. Ihm erschien nach langer Zeit Brahma und fragte ihn, was er begehre.

Bhagirata fiel Brahma zu Füßen: ‚Herr, Du weißt schon alles. Ich bete für meine Ahnen, damit ihr Fluch von ihnen genommen wird und sie ins Himmelreich gelangen. Bitte schicke Deine Tochter, Ganga, auf die Erde.‘

Brahma dachte kurz nach: ‚Mein Sohn, Ich kann Ganga auf die Erde schicken, doch sie ist extrem mächtig, wenn sie direkt auf die Erde fällt wird sie sie überfluten, die Erde kann ihrem Fall nicht standhalten.

Bhagirata schaute ängstlich: ‚Was kann ich tun?‘

Brahma überlegte: ‚Bhagirata, bete zu Shiva, Er kann Ganga kontrollieren. Bete zu Ihm, dass Er Ganga langsam auf die Erde hernieder lasse.‘

Bhagirata atmete tief durch. Seine Arbeit war also erst halb getan. Er brauchte den Segen Shivas, sofort setzte er sich in Meditation auf Shiva. Brahma entschwand.

Shiva, immer hilfsbereit, wenn Seine Anhänger in Not sind, erschien Bhagirata: ‚Steh auf Bhagirata, Ich weiß was du wünschst, Ich werde Mich darum kümmern.‘

Shiva breitete Sein Haar über dem Himmel aus und bat Ganga, auf die Erde zu kommen. Sie verfing sich in Seinem Haar, kein Tropfen fiel auf die Erde. Dann ließ Er sie langsam auf die Erde hernieder kommen: ‚Ganga, folge Bhagirata und erfülle deine Pflicht.‘ Ganga tat wie ihr geheißen.

Doch Ganga war immer noch verspielt. Als sie den Ashram des Weisen Janu erreichte wollte sie etwas Spaß haben: ‚Warum soll ich nur Bhagirata folgen, ich brauche Ablenkung. Ich überflute den Ashram, dann schaue ich zu, wie sie alle erschrecken.‘ Ganga kicherte bei dem Gedanken, doch die Reaktion Janus war nicht die, die sie erwartet hatte.

Janu starrte auf das was er sah, sein Ashram war überflutet, er ging in Meditation und sah, dass es ein Streich Gangas war. Ich werde dem Gör eine Lektion erteilen. Er verschluckte die Ganga.

Ganga war außer sich. Nun war sie im Magen eines Weisen gefangen.

Bhagirata, glücklich, endlich seine Ahnen befreien zu können, erschrak, als Ganga plötzlich verschwunden war. Weit und breit keine Ganga, nur ein Weiser in seinem Aschram.

In Panik rannte er zu ihm: ‚Großer Weiser, da war ein Fluss. Hast du ihn gesehen, hast du gesehen wo er hin ist?‘

Der Weise schaute Bhagirata an: Meinst du Ganga?‘ Bhagirata nickte. Der Weise zeigte auf seinen Magen: ‚Sie war frech. Ich habe sie verschluckt.

Bhagirata war den Tränen nahe, er erzählte die ganze lange Geschichte dem Weisen.

Janu bekam Mitleid: ‚Für dich, mein Sohn, werde ich Ganga wieder entlassen.‘

Ganga floss aus dem Magen Janus, froh ihre Freiheit wieder erlangt zu haben. Nie mehr würde sie so unüberlegt handeln.

Bhagirata bedankte sich bei dem Weisen und langsam näherte er sich mit Ganga dem Ashram Kapilas, wo die 60.000 Seelen auf ihre Befreiung warteten.

Ganga floss über die Asche der Söhne Sagaras. Bhagirata bedankte sich bei Brahma und Shiva, die ihm die Kraft gaben, zu tun was er zu tun hatte.

Die Ganga wird auch Jahanvi genannt, weil sie aus Janus Magen entströmte, und Bhagirati, weil Bhagirata sie auf die Erde brachte.

Auch heute noch wird etwas, das unter großen Schwierigkeiten erlangt wird, Bhagirata Prayatna genannt. Prayatna bedeutet Versuch.

 

Ich bedanke mich bei S. A. Krishnan für die Überlassung ihrer englischen Version.