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Dorfgottheiten

Immer noch präsent, seit Generationen, ist bei der einfachen Landbevölkerung, vor allem im Süden Indiens, die Verehrung von Dorfgottheiten, hinter denen sich Seelen Verstorbener verbergen.

Die Seelen der Ahnen wandern herum bis sie einen neuen Körper annehmen und suchen die Orte auf, in denen ihre Familien leben. Um sie zu erfreuen werden Riten und Opfer vollzogen.

Die Gründe, warum diese Wesenheiten ein Dorf aufsuchen können sein: Sie haben einst in dem Ort gelebt; sie sind in diesem Ort gestorben, sei es eines unnatürlichen oder natürlichen Todes; sie wollen Rache nehmen an demjenigen, der für ihren unnatürlichen Tod verantwortlich ist; Mitglieder ihrer Familie leben in dem Ort.

Zornvolle Wesenheiten gilt es gütig zu stimmen, da sie sich durch Nichtbeachten gekränkt fühlen und alle Arten von Unglück über die Familie oder den Ort bringen könnten.

Die gütigen Wesenheiten werden als Schutzgottheiten verehrt, damit sie die zornvollen Wesenheiten vertreiben und auch sonst den Ort zum Beispiel vor Naturgewalten schützen. Begegnet man ihnen respektlos bringen auch sie Unglück.

Auch Übeltäter werden als dämonische Wesen, boshafte Seelen oder gehässige Geister, je nach Schwere ihres Vergehens, geboren, wandern durstig und hungrig herum und drangsalieren die Menschen.

Helden eines Dorfes, die sich durch eine ruhmreiche Tat verdient gemacht haben, werden besungen und verehrt und nehmen mit der Zeit den Status von Gottheiten an.

Wichtig waren die Dorfgottheiten auch, da es Niederkastigen nicht erlaubt war, die Tempel zu betreten. So entwickelten sich Riten, die als Schwarze Magie gesehen werden können, komplett verschieden von den Riten in Tempeln.

Auch bestimmte Bereiche des Dorfes, die als Versammlungsort der Geister angenommen werden, werden verehrt.

So stehen am Ortseingang bemalte Terrakotta Statuen verschiedenster Gestalten, menschliche und tierische, weibliche und männliche, in der Annahme, dass die Seelen einziehen, sich an den Riten erfreuen und den Ort schützen. Hier ein visuelles Beispiel

Familien verehren zusätzlich Steine mit Lichtern und Blüten, nehmen sie doch an, dass die Seelen der Ahnen dort eingezogen sein mögen und durch die Verehrung ihnen wohl gesonnen sind. So werden die Ahnen wieder ein Teil der Familie.

Hauseingänge und Wände werden mit geometrischen Mustern bemalt und mit Kuhdung bestrichen, in der Annahme, dass zornvolle Seelen es nicht wagen einzutreten.

Weiterhin kennt man himmlische Wesen, die von den Göttern geschickt wurden um den Ort zu schützen. Um mit diesen Wesen in Harmonie zu leben treten Menschen, die als Medium fungieren, mit ihnen in Kontakt.

Ein Medium fällt in Trance, tanzt sich in Ekstase und spricht als die verehrte Gottheit zu den Dorfbewohnern, warnt sie, gibt Ratschläge. Diese Medien werden von der Bevölkerung zutiefst verehrt, gelten sie doch als mit übernatürlichen Kräften Ausgestattete.

Im Norden Indiens sind die Dorfgottheiten seltener anzutreffen. Hier werden die Heerscharen Shivas, Schlangen, die Göttin Kali und die zornvolle Erscheinung Shivas, Bhairava, an den Ortseingängen als Statuen aufgestellt und verehrt. Als Schutzgottheit gilt auch Hanuman, der als orange bemalter Stein verehrt wird.

 

Den Text hat mir Herr N. R Jayaraman, Santhipriya, zur Verfügung gestellt.